Flüchtlinge auf Gavdos: was Reisende wissen sollten
- David Neumeyer

- 14. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Gavdos, die kleine Insel südlich von Kreta, ist bekannt für ihre Abgeschiedenheit und unberührte Natur. Leider taucht die südlichste Insel Europas in letzter Zeit immer häufiger in den Nachrichten auf. Mit Booten aus Nordafrika erreichen zunehmend Migranten Gavdos. Wie geht man auf Gavdos mit der Situation um und wie beeinflusst der neue Flüchtlingsstrom deine Reise nach Gavdos? Vorneweg: Auch wenn die Situation für Einheimische und Behörden eine große Herausforderung darstellt, möchte ich dir als Reisender die Sorge nehmen! In diesem Blogartikel erfährst du alle wichtigen Infos zur Flüchtlingssituation auf Gavdos und warum dein Urlaub auf Gavdos sicher ist. Der Beitrag wird stets aktualisiert!
📖 Inhalt
#1 Warum Gavdos? Die Fluchtroute und geografische Lage der Insel
Gavdos, Europas südlichster Punkt, liegt etwa 170 Seemeilen von der libyschen Küste entfernt und ist damit ein strategischer Knotenpunkt für Flüchtlingsboote. Die Insel wird oft von Schmugglern als „Hintertür“ nach Europa genutzt, da sie außerhalb der regulären Überwachungszonen im Mittelmeer liegt. Migranten setzen meist von Tobruk oder anderen libyschen Häfen ab und überqueren das offene Meer in überfüllten und oft kaum seetauglichen Booten. Bis zu 5000 US-Dollar soll die Überfahrt kosten. Die meisten Migranten stammen aus dem Sudan, der aktuell Schauplatz eines äußerst gewaltätigen Bürgerkrieges ist, der eine humanitäre Krise nach sich zieht und medial aktuell kaum Beachtung findet. Hauptsächlich handelt es sich um junge Männer und Jugendliche, die sich der sehr gefährlichen und risikoreichen Überfahrt nach Südgriechenland stellen.

Die Route wird gewählt, da Gavdos außerhalb der regulären Überwachungszonen liegt, was die Chancen erhöht, die Küstenwache zu umgehen. Die meisten Boote werden südlich von Gavdos abgefangen und zum Hafen von Karave auf Gavdos oder nach Südkreta begleitet. Einige Boote fahren auch einfach am Hafen ein. Selten landen auch Boote am Strand von Tripiti oder anderen Stränden der Insel an. Auf Gavdos selbst wurde am Hafen ein kleines "Empfangszentrum" eingerichtet, wo eine Erstversorgung stattfindet. Dort warten die Ankömmlinge, bis die Fähre nach Kreta eintrifft.
#2 Fakten und Zahlen zur aktuellen Situation
In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der ankommenden Flüchtlingsboote auf Gavdos und Kreta dramatisch erhöht. Während im Jahr 2023 rund 780 Migranten in der Region registriert wurden, stieg die Zahl 2024 bereits auf über 4.700 Personen an. Doch die Entwicklung setzte sich fort: Im Jahr 2025 erreichten allein bis zum Sommer mehr als 7.300 Geflüchtete Kreta und die nahegelegene Insel Gavdos, und bis Jahresende wuchs diese Zahl nach offiziellen Angaben der Küstenwache auf über 17.600 Ankünfte an. Damit hat sich die Zahl innerhalb von zwei Jahren mehr als vervierfacht.
Inzwischen erreichen mehrere Boote pro Woche ge Gewässer um Gavdos – oft trotz starker Winde, hoher Wellen und widriger Wetterbedingungen. Meist werden die Boote vor der Küste abgefangen. Der Zustrom reißt auch in den Wintermonaten kaum ab. Viele dieser Überfahrten verlaufen gefährlich, einige enden tragisch: Erst am 11. November kam es zu einem schweren Zwischenfall, bei dem mehrere Menschen ums Leben kamen. Solche Unglücke treten immer wieder auf, und die Dunkelziffer nicht dokumentierter Havarien und Opfer dürfte erheblich höher liegen, da Boote häufig abseits offizieller Routen unterwegs sind oder unbemerkt untergehen.

#3 Umgang mit der Situation auf der Insel
Die Ankunft von Migranten stellt die Inselgemeinschaft vor große Herausforderungen. Gavdos verfügt über keine spezielle Infrastruktur für Flüchtlinge. Wie schon so häufig muss die Inselgemeinschaft auch selber anpacken. Einige Inselbewohner, darunter der stellvertretende Bürgermeister, der Polizist und ein kleines Team der Küstenwache kümmern sich um die Erstversorgung. Man versorgt die Ankömmlinge mit Wasser, Lebensmitteln, warmer Kleidung und Essen. Durch eine Hilfszahlung der Regierung kann die Erstversorgung aufrecht erhalten werden. Mitlerweile sind kleine Teams mit Schiffen von Frontex auf Gavdos stationiert. Boote der Küstenwache sind stets südlich oder westlich vor Gavdos im Einsatz und sind teilweise mehrmals wöchentlich an Rettungs- und Bergungsaktionen beteiligt. Insgesamt hat man sich gut mit der Situation arrangiert und die Koordination funktioniert den Umständen entsprechend überwiegend flüssig und reibungslos.
Nach Ankunft auf der Insel werden die Flüchtlinge in der Regel über den herkömmlichen Fährverkehr nach Kreta gebracht. Ein Kontakt mit den regulären Fahrgästen findet dabei nicht statt. Auf Kreta werden die Migranten von der Polizei eingesammelt und per Bus in eine der Aufnahmeeinrichtungen transportiert. Die Bedingungen der Unterbringungen auf Kreta sind sehr schlecht.

Selbstverständlich blicken die Einheimischen mit Sorge auf die Situation. Eine weitere Zunahme des Flüchtlingsstroms könnte die Insel schnell an ihre Grenzen bringen. Man benötigt Hilfe, möchte aber auch gleichzeitig keine massive Präsenz von Behören und Personal auf der Insel, da sonst der Charme der Insel zerstört werden könnte. Man ist sich einig, dass die Ankunft der Boote auf der kleinen Insel schnell stoppen muss.
#4 Ist Gavdos noch sicher? Was Reisende wissen sollten
Vermehrt erreichten mich Nachrichten von besorgten Liebhabern der Insel, die ihren Lieblingsort in Gefahr sehen. Im selben Atemzug kam auch immer wieder die Frage auf, ob die Insel noch sicher sei. Die klare Antwort lautet: Ja! Das Jahr hat gezeigt, dass Gavdos weiterhin sehr sicher ist. Als Reisender kommt man mit der Situation so gut wie nicht in Kontakt. Nach Ankunft werden die Flüchtlinge sofort im Hafen in Empfang genommen und versorgt, um anschließend einen schnellen Weitertransport zu arrangieren. Wenn du auf Gavdos bist, wirst du wahrscheinlich nicht viel davon mitbekommen. Sämtliche Strände, Wanderwege, Tavernen und Sehenswürdigkeiten stehen dir wie gewohnt offen. Insbesondere jetzt ist es für die Einheimischen wichtig, dass die Liebhaber und Besucher der Insel nicht durch die Situation abgeschreckt werden. Leider belegen aber die Zahlen, dass die vielen negativen und teilweise auch überzogenen medialen Berichte über die Situation auf Gavdos bei vielen Urlaubern zu Angst und Unsicherheit geführt hat. Die Einheimischen auf Gavdos berichten von einem Rückgang der Urlauberzahlen in 2025 um ca. 50% im Vergleich zum Vorjahr. Die Betreiber der Unterkünfte und Tavernen sind sich darüber einig, dass die vielen negativen Berichte und dadurch entstandenen Unsicherheiten Grund dafür sind. Ich erinnere mich noch sehr gut an ein Gespräch mit einem Hotelmitarbeiter in Athen im Herbst 2025, der von meiner geplanten Reise nach Gavdos überrascht war. Er war vom Bild überzeugt, dass die gesamte Insel von Flüchtlingen übersät ist. Umso wichtiger ist es mir, dass mit diesem Eindruck der Insel aufgeräumt wird. Eine Reise nach Gavdos bleibt unverändert traumhaft und wird dein Herz erfüllen.






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